Röm. kath. Kirchgemeinde

Glarus Süd

Spiritualität durch die Jahrhunderte 

"Für jeden Schritt den der Mensch nach aussen wagt, bedarf es zwei Schritte nach innen..."

Zu allen Zeiten, an allen Orten haben Menschen mit Gott gesprochen und zu ihm gebetet. Beten darf, kann und soll jeder Mensch, ganz gleich welcher religiösen Richtung er angehört. Manches davon wurde für die Nachwelt aufgeschrieben und unterstütz auch heute noch unser Gebet. 

Thomas Morus

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und laß nicht zu, daß ich mir allzuviel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich“ nennt.
Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.

Thomas von Aquin

Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz, das kein leichtfertiger Gedanke von dir ablenkt, ein edles Herz, das keine unwürdige Leidenschaft erniedrigt, ein gerades und aufrechtes Herz, das kein gemeines Streben auf Abwege führen kann, ein starkes Herz, das keine Trübsal beugt, ein freies Herz, das sich von keiner bösen Macht beherrschen läßt. Schenk mir, o Gott, Verstand, der dich erkennt, Eifer, der dich sucht, Weisheit, die dich findet, einen Wandel, der dir gefällt, Beharrlichkeit, die gläubig dich erwartet, Vertrauen, das am Ende dich umfängt.

Hrabanus Maurus

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein:
die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad.
Der du der Tröster wirst genannt, vom höchsten Gott ein Gnadenpfand,
du Lebensbrunn, Licht, Lieb und Glut, der Seele Salbung, höchstes Gut.

O Schatz, der siebenfältig ziert, o Finger Gottes, der uns führt,
Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht.
Zünd an in uns des Lichtes Schein, gieß Liebe in die Herzen ein, stärk unsres Leibs Gebrechlichkeit mit deiner Kraft zu jeder Zeit. 

Treib weit von uns des Feinds Gewalt, in deinem Frieden uns erhalt,
dass wir, geführt von deinem Licht, in Sünd und Elend fallen nicht.
Den Vater auf dem ewgen Thron lehr uns erkennen und den Sohn;
dich, beider Geist, sei’n wir bereit, zu preisen gläubig alle Zeit. Amen.

Friedensgebet

O Herr, mach mich zum Werkzeug Deines Friedens, dass ich Liebe übe da, wo man hasst; dass ich verzeihe da, wo man sich beleidigt; dass ich verbinde da, wo Streit ist; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Ach Herr, lass Du mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen. 

Augustinus von Hippo 

Spät hab ich Dich geliebt, o Schönheit, immer alt und immer neu, spät hab ich Dich geliebt! Und sieh, Du warst in mir; ich aber suchte Dich draussen und warf mich an die schönen Dinge weg, die doch nur Deine Schöpfung sind. Du warst bei mir; doch ich war nicht bei Dir; die Schöpfung hielt mich fern von Dir und hätte doch ausser Dir keinen Bestand. Du hast gerufen und geschrien, meine Taubheit zu sprengen. Du hast geblitzt und geleuchtet, meine Blindheit zu verscheuchen. Du hast Deinen Duft verströmt; ich habe ihn eingeatmet, und nun sehne ich mich nach Dir. Ich habe Dich verkostet; nun hungere und dürste ich nach Dir. Du hast mich berührt, und ich brenne vor Verlangen nach Deinem Frieden.

Sedulius Caelius

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schliessen und dich zu schützen. Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, um dich aus der Schlinge zu ziehen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. So segne dich der gütige Gott.

Dschelaleddin Rumi

Mit deiner Seele hat sich meine Gemischt, wie Wasser mit dem Weine.
Wer kann den Wein vom Wasser trennen, wer dich und mich aus dem Vereine?
Du bist mein großes Ich geworden, und nie mehr will ich sein dies kleine. 
Du hast mein Wesen angenommen, sollte ich nicht nehmen an das deine?
Auf ewig hast du mich bejahet, dass ich dich ewig nie verneine.
Dein Liebesduft der mich durchdrungen, geht nie aus meinem Mark und Beine.
Ich ruhe als Flöte an deinem Munde, als Laute in deinem Schoss allein.
Gib einen Hauch mir, dass ich seufze, gib einen Schlag mir, dass ich weine.
Süss ist mein Weinen und mein Seufzen, dass ich der Welt zu jauchzen scheine.
Du ruhst in meiner Seele Tiefen, mit deines Himmels Widerscheine.






E-Mail
Anruf